Tipps und Infos rund um die Hufpflege

Die richtige Hufpflege trägt viel zum Wohlbefinden deines Pferdes bei. Gesunde Pferdehufe ohne Fehlstellung sind zusammen mit gesunden Zähen und einem gut passenden Sattel einer der drei wichtigsten Faktoren für die Pferdegesundheit und entspanntes Reiten. Die richtige Stellung der Pferdehufe, eine gute Hornqualität und Gelenke und Sehnen ohne Verschleißerscheinungen kommen nicht von ungefähr.
Mit dem richtigen Wissen über die Hufpflege kannst du die Gesundheit deines Pferdes aktiv unterstützen und Hufproblemen vorbeugen. Hier erfährst du, was für die tägliche Hufpflege nötig ist, welche Auswirkungen der Hufbeschlag auf die Pferdehufe hat und warum Hufschuhe eine gute Alternative sein können.

Woran erkennt man einen gesunden Pferdehuf?

Den ersten Hinweis auf die Hufgesundheit deines Pferdes bekommst du, wenn du dir anschaust, wie dein Pferd steht. Stehen alle Röhrbeine senkrecht zum Boden, sowohl von vorne betrachtet, als auch von der Seite? Weicht dein Pferd von dieser Stellung ab, indem es die Vorder- oder Hinterbeine weiter unter den Körper stellt oder weiter unten dem Körper herausschiebt? Dies ist sehr oft eine Entlastungshaltung, die auf Schmerzen hindeutet.

Auch beim Laufen zeigt sich die Hufgesundheit. Ein Pferd mit gesunden Hufen läuft sowohl über harten als auch weichen Boden normal, ohne fühlig zu sein.

Ein gesunder Pferdehuf hat gerade Hufwände ohne Beulen oder Dellen. Er soll weder zu steil noch zu flach auf dem Boden stehen. Der Winkel des Pferdehufs muss zur Winkelstellung der Fessel passen. Ist die Fessel stark gebeugt, wird der Huf auch eher lang nach vorn gestreckt stehen. Bei einer eher steilen Fesselstellung ist auch der Huf kurz und kompakt.

Das Horn eines gesunden Pferdehufs ist fest, aber nicht trocken. Rissiges Horn oder zu weiches, vielleicht sogar fauliges und übelriechendes Horn sind immer Alarmzeichen! Diese Hufe benötigen besondere Pflege.

gesunder Pferdehuf mit eingezeichnetem Hufwinkel
Der Winkel des Pferdehufs (grün) muss zur Winkelstellung der Fessel (rot) passen. ©Pixabay CC0-CreativeCommons

Welche Hufpflege brauchen die Pferdehufe?

Die häufigsten Probleme bekommen Pferde mit zu trockenen oder zu weichen Hufen. Zu trockene Hufe können Rissen, sogenannten Hornspalten, bekommen. Auch Fehlstellungen und falscher Hufbeschlag sind Risikofaktoren für rissige Hufe. Sind die Hornspalten nicht nur oberflächlich, sondern reichen tief bis auf die Lederhaut, können sie Lederhautentzündungen verursachen. Risse in den Pferdehufen sollten daher ernstgenommen und mit dem Tierarzt und Hufschmied begutachtet werden. Hier sind ein paar Tipps für die richtige Pflege der Pferdehufe:

Hufpflege für trockenen Hufe

Gegen die Trockenheit im Huf kannst du den Huf einige Zeit in Wasser „wässern“. Bloßes abspritzen reicht oft nicht. Gut sind Ausritte am Seeufer entlang. Oder stelle den Huf des Pferdes für mindestens 10 Minuten in einen Eimer mit Wasser. Für die anschließende Hufpflege bestreichst du den Huf mit Huffett oder Huföl, um die Feuchtigkeit im Huf einzuschließen. Dies solltest du regelmäßig wiederholen.

Hufpflege für weiche Hufe

Zu feuchte Pferdehufe gehen oft mit weichem Horn einher. Zum einen kann dies zu einer zu starken Abnutzung der Hufe führen, aber auch zum Ausbrechen von Stücken aus der Hornwand. Oft kommt es auch zu Huffäule oder Strahlfäule. Mangelnde Stallhygiene mit schlecht eingestreuten Boxen führen dazu, dass Kot und Urin die Pferdehufe angreifen. Ebenso kann der Matsch auf dem Paddock im Herbst oder Frühling, in dem die Pferde lange stehen, die Ursache sein. Die Hufe werden so völlig aufgeweicht. Diese Hufe brauchen besondere Hufpflege. Niemals solltest du sie im feuchten Zustand einölen oder fetten, um die Feuchtigkeit nicht zusätzlich im Pferdehuf zu halten! Sorge stattdessen für trockene Orte auf dem Paddock und besonders saubere Boxen. Sind die Hufe gut durchgetrocknet, kannst du die Hufe mit Huffett pflegen und so ein weiteres Eindringen von Feuchtigkeit verringern.

Huffäule (Strahlfäule)

Huffäule ist eine Erkrankung des Strahls, die durch Bakterien verursacht wird. Unter Luftauschluss kommt es bei der Huffäule zu Fäulnis- und Zersetzungsprozessen des Strahls. Du erkennst Huffäule daran, dass der Strahl immer weicher wird und Hohlräume in der mittleren Strahlfurche bildet. Die Farbe verändert sich zu schwarz und das Strahlhorn löst sich in Fetzen ab. Die Huffäule wird von einem üblen, fauligen Geruch im Pferdehuf begleitet. In einem fortgeschrittenen Stadium fangen die Pferde dann an zu lahmen.

Hufauskratzen beugt Huffäule vor
Sorgfältiges Säubern der Pferdehufe beugt Huffäule vor. ©Pixabay CC0-CreativeCommons

Huffäule kann durch gute Haltung mit sauberer Boxeneinstreu und richtiger Hufpflege vermieden werden. Pferde mit engem Strahl haben ein erhöhtes Risiko für Strahfäule. Die engen seitlichen Strahlfurchen bilden ein sauerstoffarmes Milieu, das die Bakterien der Huffäule begünstigt. Durch richtiges Ausschneiden der Hufe und tägliche Hufpflege und Säuberung verringert sich das Risiko stark.
Ist dein Pferd von Huffäule betroffen, muss dein Hufpfleger die von Huffäule betroffenen Bereiche wegschneiden. Ist die Huffäule schon fortgeschritten, ist dies ein langwieriger Prozess. Der Pferdehuf darf dabei natürlich nicht verletzt werden und das Horn muss erst nachwachsen. Der Tierarzt kann dir Mittel zur Pflege des Strahls geben, die den Fäulnisprozess der Huffäule aufhalten und die Bakterien eindämmen.

Was ist besser – Hufeisen oder barhuf?

Pferde sind Lauftiere, ihr ganzer Organismus ist darauf ausgerichtet. So ist auch der Pferdehuf dazu konzipiert, das Pferdegewicht aufzunehmen und Stöße beim Laufen abzufedern. Der Pferdehuf ist kein starres Gebilde – ganz im Gegenteil. In der Bewegung wird der Pferdehuf am Ballen etwas gespreizt und zieht sich beim Anheben des Beins wieder zusammen. Dies wird auch „Hufmechanimus“ genannt und führt beim Laufen des Pferdes zu einer hohen Durchblutung der Beine. Der Hufmechanismus wird durch einen Hufbeschlag ausgehebelt, da der Huf sich mit dem starren Hufeisen nicht mehr spreizen kann. Somit verringert sich durch den Hufbeschlag auch die Durchblutung der Beine und Hufe, was wiederum zu Problemen führen kann.

Aufbau des Pferdehufs
Aufbau des Pferdehufs ©Stefanie Ganskow

 

Das Pferd läuft nicht nur auf dem äußeren Tragrand, auch wenn dieser das meiste Gewicht aufnimmt. Auch der Strahl hat Bodenkontakt. Der empfindliche Strahlbereich dient hierbei als Tastorgan und vermittelt dem Pferd Informationen über die Beschaffenheit des Bodens. Auch hier greift der Hufbeschlag in die Natur des Pferdehufs ein. Das Hufeisen hebt den Strahl vom Boden ab und verhindert jeglichen Bodenkontakt. Das Pferd läuft daher ohne Information über den Bodenbelag und überlastet so gegebenenfalls auf harten Böden seine Gelenke und Sehnen. Zusätzlich fällt der stoßdämpfende Effekt des Hufmechanismus weg. Dies kann zu vorzeitigen Verschleißerscheinungen wie Arthrose, Spat und Sehnenentzündungen führen.

Auch die Qualität des Horns wird vom Hufbeschlag beeinflusst. Der Huf wächst 6- 8 Millimeter pro Monat nach. Natürlicherweise sorgt der Hornabrieb beim Laufen dafür, dass die Hufe nicht zu lang werden. Beim domestizierten Pferd funktioniert das natürlich nicht wirklich, weil unsere Pferde nicht den ganzen Tag Bewegung auf verschiedenen Untergründen haben. Im Gegenteil, sie stehen viel rum und bewegen sich meist nur auf weichem Boden. Deshalb muss regelmäßig der Hufpfleger kommen, auch wenn das Pferd nicht beschlagen ist.

Hufeisen am Pferdehuf
Hufeisen beinflussen die Hornqualität ©Pixabay CC0-CreativeCommons

Läuft dein Pferd sehr viel über harten Boden, kann der Hufabrieb höher sein als neues Horn nachwachsen kann. In diesem Fall solltest du über Hufeisen nachdenken, oder du entscheidest dich für Hufschuhe als Hufschutz.

Mit einem Hufeisen unter dem Pferdehuf erfolgt nun aber überhaupt kein natürlicher Abrieb mehr. Dies führt zum Einen dazu, dass der Huf langsamer wächst. Zum anderen wird der Huf auch immer weicher, um den Abrieb zu erleichtern. Das weiche Horn führt nun aber dazu, dass immer häufiger Ecken herausbrechen und der Huf immer brösliger wird.

Warum sollten man sein Pferd denn überhaupt beschlagen lassen? Generell gilt als Faustregel, dass Pferde mit guter Hornqualität barhuf laufen sollen.

Bei guter Hufpflege ist dies für die meisten Pferde problemlos möglich. Zu den oben genannten Punkten und klaren Vorteilen kommt auch noch der erhebliche Kostenfaktor für regelmäßigen Hufbeschlag. Trotzdem sind unter bestimmten Voraussetzungen Hufeisen sinnvoll.

Bei bestimmten Fehlstellungen der Hufe kann ein Hufbeschlag tatsächlich unumgänglich sein. Kann die Fehlstellung nicht anderweitig ausgeglichen werden, sollte in enger Zusammenarbeit von Tierarzt und Hufschmied eine Lösung für die Fehlstellung erarbeitet werden.

Hufschuhe – die Alternative zum Hufeisen

Hufeisen haben ganz klar viele Nachteile. Sollte ein Hufschutz aber unumgänglich sein, weil du mit deinem Pferd durch Fehlstellung und schlechte Hornqualität sonst beispielsweise nicht im Gelände reiten kannst, gibt es Alternativen zum klassischen Hufeisen.

Eigentlich werden Hufeisen nur zum Reiten benötigt. Warum sollte dein Pferd also Hufeisen 24 Stunden am Tag tragen, wenn es sie die meiste Zeit nicht benötig? Hufschuhe sind eine Alternative zum traditionellen Hufbeschlag, da sie nur zum Reiten bzw. Ausreiten getragen werden müssen. Hufschuhe gibt es seit Anbeginn der Reiterei. Schon von Indianer und Römer ist bekannt, dass sie Hufschuhe verwendeten. Es gibt Hufschuhe heute in vielen verschiedenen Ausführungen. Auch eine Variante des Hufschuhs, bei der eine angepasste Hartgummisohle mit Klettverschluss direkt am Huf befestigt wird, ist auf dem Markt. Hierbei werden Klettbänder direkt auf dem Horn der Hufwand angebracht. Der Hufschutz wird dann sehr schnell und einfach an den Huf geklettet. Der Vorteil zu anderen Hufschuhen ist, dass es hier keinerlei Scheuerstellen geben kann. Pferdehufe sind verschieden, und für jeden gibt es auch einen passenden Hufschuh oder Hufschutz.
Hufschuhe können auch beim Übergang vom Hufbeschlag zum Barhuf von Vorteil sein. Ein Huf, der lange einen Beschlag hatte, bildet sehr weiches Horn, um den Hufabrieb anzukurbeln. Wird nun auf Barhuf umgestellt, ist dieses Horn zunächst nicht geeignet, um den Bodenbeschaffenheiten standzuhalten. Zunächst wird der Huf also schnell sehr kurz werden. Es dauert ein paar Wochen, bis die Umstellung der Hornbeschaffenheit erfolgt und sich härteres Horn bildet. In dieser Übergangszeit können Hufschuhe sinnvoll sein, wenn die Hufe durch viel Bewegung zu kurz werden.

 

Wie oft muss der Hufbeschlag erneuert werden oder der Hufpfleger kommen?

Ob nun mit Hufbeschlag oder ohne, ein regelmäßiger Besuch vom Hufschmied oder Hufpfleger gehört zum Pflichtprogramm der Pferdepflege. 6-8 Millimeter wachsen die Hufe pro Monat. Für die Barhufpflege muss der Hufpfleger alle 2 – 4 Monate kommen. Dies ist abhängig von der Hornbeschaffenheit des Pferdehufs und der Bodenbeschaffenheit.
Übrigens solltest du nicht selbst an den Hufen deines Pferdes herumraspeln, denn dies führt ohne das nötige Fachwissen schnell zu Fehlstellungen. Anders ist es bei abgesplitterten Hornteilen, die vielleicht sogar spitz hervorstehen. Dein Pferd kann sich und andere damit verletzen. Für solche kleinen Huf-Notfälle solltest du dir eine eigene Huffeile zulegen.

Hufpflege: der Pferdehuf wird geraspelt
Hufpflege durch kürzen des Horns auch beim unbeschlagenen Pferd ©Pixabay-CC0CreativeCommns

Für beschlagenen Pferde muss der Hufschmied alle 6 bis spätestens 8 Wochen kommen. Das Hufeisen wird auf den frisch beschnittenen Pferdehuf angepasst und festgenagelt. Wächst der Huf nun, so verbreitert er sich nach unten hin. Da der Huf aber durch das Hufeisen fixiert ist, kann er sich beim Wachsen nicht verbreitern und es kommt zu Spannungen im Huf. Daher ist eine regelmäßige Erneuerung des Hufbeschlags in kurzen Abständen wirklich wichtig, da es sonst zu einer Verformung der Hufkapsel kommen kann.

Hufeisen wird vom Hufschmied auf dem Huf angepasst
Ein Hufeisen wird vom Hufschmied angepasst. ©Pixabay CC0-CreativeCommons

Richtige Hufpflege ist ein wichtiger Baustein für die dauerhafte Gesunderhaltung deines Pferdes. Sind die Hufe gut gepflegt und haben keine Fehlstellung, bist du auf einem Guten Weg deinem Pferd ein langes und schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Hufe gut - alles gut!


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