Warum du dich auch mal wälzen solltest

Haflinger Pferd wälzt sich
Ein Pferd wälzt sich genüsslich im Gras. © Harald Bormann

Wälzen macht irre viel Spaß. Das genüssliche zu Boden fallen lassen, begleitet von tiefem Grunzen. Das Suhlen mit zappelnden Hufen in der Luft. Das kräftige Einreiben des Staubs in mein seidiges Fell. Das Loswerden des Juckreizes an verschwitzten Stellen auf der Sattellage. Dann wieder aufstehen, den Schleudergang rein und beim Ausschütteln eine riesige Staubwolke produzieren. Herrlich!

Das alles ist toll, wirklich! Und warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Das Nützliche ist natürlich, dass ich meinen Geruch großflächig auf den Untergrund auftragen kann und somit gleich mal eine sehr deutliche Aussage treffe: MEINS! ALLES MEINS! Ha! Zum Beispiel der Paddock, aber da widersprechen die Kollegen manchmal. Vor allem Betty, die olle Ziege, gönnt mir überhaupt nichts. Aber in der Reithalle hat noch nie jemand widersprochen. Auch du nicht, obwohl du doch immer direkt danebenstehst. Du guckst dir das dann wohlwollend an und sagst: „Fein Doralie! Das tut gut, oder?“ Na klar tut das gut! Ich brauch zwar nicht unbedingt deine Bestätigung, um zu wissen, wessen Reithalle das ist und wer hier also die Hosen anhat (bildlich gesprochen, sonst wär’s ja unfair), aber erstaunlich ist deine ausdrückliche Zustimmung schon jedes Mal.

Doch beim nächsten Mal willst du dann wieder bestimmen, wie ich in der Halle zu laufen habe. Obwohl wir uns doch einig waren, dass ich das Sagen habe. Irgendwie bekomme ich manchmal den Eindruck, du stehst mal wieder komplett auf dem Schlauch. Vielleicht ist deine Nase nicht so gut. Riechst du meine Markierung nicht?

Ich gebe dir mal einen Tipp. Insider-Wissen. Sag niemandem, dass ich sowas verraten habe, sonst krieg ich richtig Ärger auf dem Paddock. Aber ich hab dich gern, und du steckst mir immer Leckerlis zu. Also: du solltest dich auch mal wälzen. Falls du irgendwelche Ansprüche auf unsere Reithalle erhebst. Aber pass auf dich auf. Ich bin ein freundliches Pferd, doch erstens gibt es da noch ganz andere Kollegen, und zweitens werde sogar ich pissig, wenn mir einer die Butter vom Brot nehmen will. Aber sei’s drum. Die Regel geht so: Wer zuerst wälzt, dem gehört’s. Kann aber sein, der andere wird sauer, weil er findet, dass es eigentlich ihm gehört. Und das meine ich jetzt ganz im Ernst: wenn du das ausprobierst, achte auf deine Sicherheit.

  • Halte genug Abstand zu mir
  • Habe ein langes Seil, eine Gerte o.ä. dabei, um mich im Notfall vom Boden aus auf Abstand zu halten
  • Komme ich dir zu nahe und bin zu forsch, brich ab und steh sofort auf
  • Bin ich sehr aufgeregt und frech, sperre einen Teil der Halle ab und wälz dich direkt hinter der Absperrung

Was tut man nun, wenn der andere zuerst gewälzt hat? Da gibt’s nur zwei Möglichkeiten: entweder du akzeptierst es und wälzt nicht oder etwas später an anderer Stelle. Somit präsentierst du dich in diesem Moment als rangniedrig. Oder du widersprichst und wälzt genau da drüber. Mittendrauf. Und machst die Stelle dabei noch größer. Schöööön den eigenen Duft verteilen. Prima!

Du glaubst, das ist alles Spinnerei? Wir Pferde wälzen nur aus Spaß an der Sache? Stimmt nur zum Teil. Aber mach einfach mal ein Experiment: Stell mich in die Halle, wenn ich frisch vom Paddock komme (nicht nach dem Reiten, wenn mein Fell juckt) und geh weg. Lass mich kurz allein in der Halle. Habe ich gewälzt, während du weg warst? Nein? Tja. Weißte Bescheid. Der Halle muss ich nicht beweisen, dass sie mir gehört.

Was wir Pferde noch für Tricks haben, um euch freundlich zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat, erzähle ich dir ein anderes Mal. Frohes Wälzen!

Deine Doralie