Wie deine schlechte Frisur dein Pferd nervt

Pony rennt mit fliegendem Pony
Die Frisur immer unter Kontrolle: Felix. ©Pixabay CC0-CreativeCommons

„Mama, ich will ein Pony!“ – „Dann geh zum Friseur!“

Kennt ihr den? Ganz alter Witz!

Ich kapier den nicht.

Es ist doch wahr, nicht witzig! Du, zum Beispiel, hast schon ein Pony. Nämlich mich. Und du solltest ganz dringend mal zum Friseur. Deine Haare hängen dir über die Stirn in die Augen. Ich hab nichts gegen den Look, ehrlich, ich trag das auch gern so. Du kannst aber nicht damit umgehen! So, jetzt ist es raus!

Nur ein Beispiel: du kommst mich holen. Ich stehe auf der Koppel und genieße gerade mein drittes Frühstück in Form von duftigem Heu, und plötzlich kommst du durch den Zaun geklettert. Ich guck erstmal nett und freundlich zu dir rüber. Vielleicht gibt’s ja mal wieder ein Leckerli.

Dann kommst du zu mir rüber gelaufen. Und ich weiß nicht, ob du das extra machst: du schleuderst mit einer kleinen Kopfbewegung deinen Pony aus der Stirn. Gerade genug, dass er dir nicht mehr vor den Augen hängt. Gerade genug, um genau die Kopfbewegung zu machen, mit denen wir Pferde uns gegenseitig wegschicken. Ein kleines Nicken nach oben, keine große Geste.

Woher soll man denn wissen, ob jemand, der kommt und ranghöher ist, einem erlaubt, da stehen zu bleiben? Vielleicht will er ja nur Fellkraulen. Man kann ja noch hoffen. Oh, aber wenn er dann die Nase ein bisschen hebt, ein bisschen nach oben nickt, dann verkrümelt man sich lieber. So wie bei Felix heute Morgen, dem Schönling mit der langen Mähne. Manchmal kann der ja ganz nett sein. Aber heute Morgen wollte er mein Futter. MEIN Futter. Ja gut, er hat genickt, hat mir bedeutet doch bitte zu gehen. Er war ganz freundlich. Ich wollte aber nicht gehen. Ich sag nur: MEIN Futter! Da ist er gleich grob geworden, hat mich drei Runden um den Paddock geschickt und mir dabei noch in den Hintern gezwickt. Das wär echt nicht nötig gewesen. Jedenfalls brauch ich sowas nicht nochmal.

Und jetzt kommst du daher. Und nickst. Oder sowas Ähnliches.

Ich bin in einem Dilemma. Ich respektiere dich natürlich. Dank der ganzen Bodenarbeit in letzter Zeit glaube ich langsam, dass du ganz cool bist. Wahrscheinlich kann ich dir ein paar Entscheidungen überlassen und dich auch mal bestimmen lassen. Aber jetzt kommst du hier rein, und noch bevor du „Hallo“ sagst, schickst du mich erstmal weg. Oder nicht? Ich bin verwirrt. Vorsichtshalber dreh ich mich mal weg und geh ein paar Schritte. Ich will ja nicht respektlos sein und deine Aufforderung einfach ignorieren.

Aber irgendwie bist du immer noch nicht zufrieden. Jetzt guckst du ganz enttäuscht.

Ich werde einfach nicht schlau draus. Deshalb gibt’s nur eine Lösung, auch wenn die radikal erscheinen mag: Du musst zum Friseur. Jeder Mensch, der ein Pferd  (oder ein Pony) hat, sollte zum Friseur. Schluss mit den Missverständnissen! Weg mit den Zotteln, da muss man großzügig die Schere ansetzen! Auch wenn du dann keinen Swag mehr hast, oder wie das heißt!

Ach ja, oder Haarspangen. Das geht auch.

Deine Doralie